Du liest einen Guide und stolperst über Begriffe wie "Retraction", "Pressure Advance" oder "ABL"? Dieses Glossar erklärt alle wichtigen Fachbegriffe des 3D-Drucks verständlich.
A
- ABL (Auto Bed Leveling) — Automatische Einmessung des Druckbetts durch den Drucker. Ein Sensor misst die Bettoberfläche an vielen Punkten und erstellt eine Höhenkarte. Der Drucker kompensiert Unebenheiten automatisch während des Drucks. Auch: "Mesh Leveling".
- ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) — Thermoplastisches Filament. Hitzebeständiger als PLA (bis ~100°C), aber schwierig zu drucken (Warping, Geruch). Braucht beheizte Kammer oder Gehäuse. Wird für Funktionsteile und KFZ-Anwendungen genutzt.
- AMS (Automatic Material System) — Bambu Labs Mehrfarb-System. Bis zu 4 (oder 8) Filamentspulen werden automatisch während des Drucks gewechselt. Ermöglicht Mehrfarbdruck ohne manuelles Eingreifen.
- ASA — Ähnlich wie ABS, aber UV-beständig. Ideal für Außenanwendungen (Gartenbewässerung, Outdoor-Halterungen).
B
- Bed (Druckbett) — Die beheizte Plattform, auf der das Modell gedruckt wird. Typisch: Federstahlplatte mit PEI-Beschichtung für gute Haftung.
- Bed Leveling — Ausrichten des Druckbetts zur Düse. Ist das Bett nicht eben, haftet die erste Schicht schlecht oder die Düse kratzt. Heute meist automatisch (ABL).
- Benchy (3DBenchy) — Das Standard-Kalibrierobjekt der 3D-Druck-Community. Ein kleines Boot mit vielen Testgeometrien (Brücken, Überhänge, Zylinder). Kostenlos auf Printables.com.
- Bowden-Extruder — Extruder-Bauweise, bei der Motor und Hotend getrennt sind und das Filament durch einen PTFE-Schlauch geführt wird. Günstig, leichter Druckkopf, aber anfälliger für Stringing als Direktantrieb.
- Brim — Breiter Rand um das Druckobjekt auf der ersten Schicht. Verbessert die Haftung des Drucks auf dem Bett und verhindert Warping an den Ecken. Wird nachher abgetrennt.
D
- Direct Drive (Direktantrieb) — Extruder-Bauweise, bei der Motor direkt am Druckkopf sitzt. Bessere Kontrolle, weniger Stringing, ideal für flexibles Filament (TPU). Druckkopf ist schwerer.
- Düse (Nozzle) — Die Metallöffnung, aus der das geschmolzene Filament extrudiert wird. Standard: 0,4mm. Kleiner (0,2mm) = feinere Details. Größer (0,6–1,0mm) = schneller drucken, gröbere Details. Material: Messing (Standard), gehärteter Stahl (für Abrasive), Ruby.
E
- Extruder — Das System, das das Filament durch den Drucker bewegt und in die Düse drückt. Besteht aus Motor, Zahnrad und Andruckrolle. Zwei Hauptbauweisen: Bowden und Direct Drive.
- Extrusion — Der Prozess, bei dem das Filament im Hotend geschmolzen und durch die Düse gedrückt wird.
F
- FDM (Fused Deposition Modeling) — Die gängigste 3D-Druck-Technologie. Filament wird erhitzt, geschmolzen und schichtweise aufgetragen. Auch: FFF (Fused Filament Fabrication). Gegenstück: Resin-Druck (MSLA/DLP).
- Filament — Der Kunststoffdraht, der als Druckmaterial verwendet wird. Standard-Durchmesser: 1,75mm (gängig) oder 2,85mm (Prusa, Ultimaker). Auf 1-kg-Spulen erhältlich.
- First Layer — Die erste Schicht des Drucks auf dem Bett. Kritisch für die Haftung. Wird mit niedrigerer Geschwindigkeit und ohne Kühlung gedruckt.
- Flow Rate (Flussrate) — Wie viel Filament tatsächlich extrudiert wird, als Prozentsatz des theoretischen Werts. 100% = nominal. Bei Unterextrusion: erhöhen. Bei Überextrusion: verringern.
G
- G-Code — Die Maschinensprache deines Druckers. Der Slicer wandelt dein 3D-Modell in G-Code um — eine Textdatei mit Bewegungsbefehlen, Temperaturen und Geschwindigkeiten.
- Gehäuse (Enclosure) — Abdeckung um den Drucker. Hält die Umgebungstemperatur konstant (verhindert Warping bei ABS), schützt vor Zugluft, reduziert Lärm.
H
- Hotend — Das Heizelement des Druckers, bestehend aus Heizblock, Thermistor, Heatbreak und Düse. Schmilzt das Filament auf die Drucktemperatur.
- Heatbreak — Der Übergang zwischen dem kalten und heißen Bereich des Hotends. Verhindert, dass die Hitze nach oben kriecht und das Filament vorzeitig schmilzt.
I
- Infill (Füllung) — Die innere Struktur des Objekts. 0% = hohl, 100% = massiv. Typisch: 15–20% für Dekoobjekte, 40–60% für Funktionsteile. Muster: Gyroid (beste Festigkeit/Material-Verhältnis), Lines, Grid, Honeycomb.
- Input Shaping — Algorithmus zur Reduzierung von Vibrationen (Ringing/Ghosting). Kalibriert die Druckergeschwindigkeit so, dass Beschleunigungen keine Schwingungen erzeugen. Standard in Klipper-basierten Druckern.
K
- Klipper — Open-Source-Firmware für 3D-Drucker. Läuft auf einem Raspberry Pi (oder ähnlichem) statt direkt auf dem Drucker-Mainboard. Ermöglicht Input Shaping, Pressure Advance und viele Profi-Features. Alternative zu Marlin.
L
- Layer (Schicht) — Eine einzelne horizontale Schicht des Drucks. Die Schichthöhe (Layer Height) bestimmt Detailgrad und Druckzeit. Standard: 0,2mm.
- Layer Separation — Schichten lösen sich voneinander. Ursache: zu niedrige Drucktemperatur, zu hohe Geschwindigkeit, zu niedrige Schichthöhe.
M
- Marlin — Die verbreitetste Open-Source-Firmware für 3D-Drucker. Läuft direkt auf dem Drucker-Mainboard. Standard bei Creality, Elegoo und vielen anderen.
- MSLA / DLP — Resin-basierte 3D-Drucktechnologien. MSLA nutzt einen LCD-Bildschirm + UV-LED-Array. DLP nutzt einen Projektor. Beide härten flüssiges UV-Resin schichtweise aus.
O – P
- OrcaSlicer — Kostenlose, Open-Source-Slicer-Software. Basiert auf BambuStudio/PrusaSlicer. Unterstützt alle gängigen Drucker, viele Kalibriertools eingebaut. Empfehlung für Einsteiger und Fortgeschrittene.
- Overhang (Überhang) — Bereiche eines Modells, die nach außen ragen und nicht direkt auf einer darunter liegenden Schicht aufliegen. Bis ~45° meist problemlos. Darüber: Supports nötig oder Bridging.
- PEI — Polyetherimid-Beschichtung auf Federstahlplatten. Haftet gut für PLA, PETG, ABS. Teile lösen sich beim Abkühlen von selbst ab.
- PETG (Polyethylenterephthalat Glycol) — Sehr vielseitiges Filament. Stärker und hitzebeständiger als PLA, einfacher zu drucken als ABS. Etwas feuchtigkeitsempfindlich. Gut für Funktionsteile.
- PLA (Polylactic Acid) — Beliebtestes Einsteiger-Filament. Biologisch abbaubar (unter industriellen Bedingungen), wenig Geruch, einfach zu drucken. Hitzeempfindlich ab ~60°C.
- Pressure Advance (PA) — Klipper-Feature (entspricht "Linear Advance" in Marlin). Kompensiert den Druckanstieg beim Beschleunigen/Abbremsen im Extruder. Reduziert Blobbing an Ecken und verbessert Details.
- PrusaSlicer — Kostenlose Open-Source-Slicer-Software von Prusa Research. Einer der benutzerfreundlichsten Slicer, direkt nutzbar für alle Drucker.
R
- Resin — UV-härtbares Kunstharz für Resin-3D-Drucker (MSLA/DLP). Sehr hohe Detailgenauigkeit, aber ätzend, geruchsintensiv und braucht Nachbearbeitung (Waschen + UV-Härten).
- Retraction — Das Zurückziehen des Filaments vor Travel-Moves, um Stringing zu verhindern. Bei Direct-Drive: 0,5–2mm. Bei Bowden: 3–7mm.
- Ringing / Ghosting — Wellenförmige Artefakte an Ecken und Kanten. Ursache: Resonanzschwingungen bei schnellen Richtungswechseln. Lösung: Input Shaping, Druckgeschwindigkeit reduzieren.
S
- Slicer — Software, die ein 3D-Modell (STL/3MF) in G-Code umwandelt. Bestimmt Schichthöhe, Infill, Supports, Druckgeschwindigkeit usw. Bekannte Slicer: OrcaSlicer, PrusaSlicer, Bambu Studio, Cura.
- STL — Standardformat für 3D-Modelle. Beschreibt die Oberfläche eines Objekts als Dreiecksnetz. Kann beim Slicer direkt importiert werden. Neueres Format: 3MF (enthält Farb- und Druckinformationen).
- Stringing — Unerwünschte Fäden zwischen Modellteilen. Entsteht wenn Filament beim Travel oozt. Lösung: Retraction erhöhen, Temperatur senken.
- Supports (Stützen) — Temporäre Stützstrukturen für Überhänge über ~45°. Werden nach dem Druck entfernt. Typen: Normal, Tree Supports (baumförmig, einfacher zu entfernen).
T
- TPU (Thermoplastisches Polyurethan) — Flexibles Filament. Gummiartig, schlagfest, ideal für Handyhüllen, Dichtungen, Greifer. Feuchtigkeitsempfindlich, langsam drucken.
- Travel — Die Bewegung des Druckkopfs ohne Extrusion, von einem Druckpunkt zum nächsten.
W – Z
- Warping — Verziehen des Drucks an den Ecken durch Schrumpfung beim Abkühlen. Besonders bei ABS/ASA. Lösung: Heizbett, Brim, Gehäuse, sauberes Bett.
- Z-Offset — Der Abstand zwischen Düse und Druckbett für die erste Schicht. Zu groß: Faden haftet nicht. Zu klein: Düse kratzt am Bett. Wird nach dem Bed-Leveling feineingestellt.
- Z-Seam — Die sichtbare Naht auf der Außenwand, wo jede neue Schicht beginnt. Kann im Slicer positioniert werden (z.B. auf Innenseite oder Ecke).
Weiterführende Guides
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