Feuchtes Filament ist einer der häufigsten Gründe für schlechte Druckergebnisse — und lässt sich mit einfachen Maßnahmen vollständig vermeiden.
Warum ist Feuchtigkeit ein Problem?
Filament, besonders hygroskopische Materialien wie Nylon, TPU, PETG oder PVA, zieht Luftfeuchtigkeit aktiv an. Das Wasser lagert sich in den Kunststoffgranulaten ein und verändert die Druckeigenschaften erheblich:
- Zischen und Knistern beim Drucken — das Wasser verdampft in der Düse
- Blasen und Krater auf der Oberfläche
- Schlechte Schichthaftung und brüchige Teile
- Stringing und Oozing nehmen stark zu
- Trübe Oberflächen bei eigentlich transparentem Material
Welche Materialien sind am empfindlichsten?
| Material | Hygroskopizität | Lagerempfehlung |
|---|---|---|
| PLA | Gering | Trockenbox, <20% rF |
| PETG | Mittel | Trockenbox, <15% rF |
| ABS / ASA | Mittel | Trockenbox, <15% rF |
| TPU | Hoch | Vakuumbeutel oder Trockenbox, <15% rF |
| Nylon (PA6/PA12) | Sehr hoch | Vakuumbeutel + Silicagel, <10% rF, immer trocknen vor Druck |
| PVA (Supports) | Extrem hoch | Immer in Trockenbox, nie offen lagern |
Faustregel: PLA verzeiht kurze Offenlagerung. Nylon und PVA nie auch nur eine Stunde offen stehen lassen.
Die beste Lagermethode
Option 1: Trockenbox (empfohlen)
Eine luftdichte Box mit Silikagel-Trockenmittel ist die einfachste und effektivste Lösung:
- Günstige IKEA-Boxen (SAMLA, TROFAST) funktionieren gut, wenn sie luftdicht verschlossen sind
- Speziell entwickelte Filament-Trockenboxen: Sunlu S1 Plus, PrintDry Pro (~30–60 €) — diese können das Filament gleichzeitig trocknen und druckfertig halten
- Silikagel (blau/orange indikativ) oder Molekularsieb 3Å als Trockenmittel hinzufügen
- Hygrometer in die Box: Zielwert je nach Material <10–20% relative Luftfeuchtigkeit
Option 2: Vakuumbeutel
Für die Langzeitlagerung von Spulen, die nicht regelmäßig benutzt werden:
- Vakuumbeutel + Handpumpe oder Vakuumiergerät
- Silikagel-Päckchen mit in den Beutel legen
- Günstig, platzsparend, sehr gut für TPU und Nylon geeignet
Option 3: Trocken-Feeder (Drucken direkt aus der Box)
Speziell für empfindliche Materialien: Das Filament läuft direkt aus einer geschlossenen, beheizten Trockenbox zum Drucker:
- Sunlu FilaDryer S2, PrintDry Pro — heizen auf 40–65°C und halten das Filament trocken während des Druckens
- Ideal für Nylon, TPU, PA-CF
Feuchtes Filament trocknen
Schon feuchte Spulen lassen sich retten. Trocknung:
| Material | Trocknungstemperatur | Dauer |
|---|---|---|
| PLA | 45–50°C | 4–6 Stunden |
| PETG | 55–65°C | 6–8 Stunden |
| ABS / ASA | 65–70°C | 6–8 Stunden |
| TPU | 50–60°C | 6–8 Stunden |
| Nylon (PA) | 70–80°C | 8–12 Stunden |
Trocknungsmethoden:
- Filament-Trockner (Sunlu S1, S2, PrintDry) — beste Option, exakte Temperatur, Spule passt rein
- Backofen — funktioniert, aber: Ofen muss exakt temperieren können (kein "Aufwärmen"), keine beschichteten Backbleche benutzen, PLA nie über 50°C!
- Dörrgerät (Lebensmitteltrockner) — günstige Alternative, wenn die Spule passt. Temperatur prüfen!
- Nicht empfohlen: Mikrowelle (Überhitzungsgefahr), direkte Sonne (UV-Schaden)
Tipps für den Alltag
- Spule nach dem Drucken immer zurück in die Box — nie über Nacht offen lassen
- Silikagel-Päckchen alle 3–6 Monate im Ofen bei 120°C reaktivieren (blau/orange werden wieder funktionsfähig)
- Hygrometer in der Box: Zielwert dauerhaft unter 20% rF für PLA, unter 15% für alles andere
- Filament-Enden immer mit Klebeband sichern, damit die Spule nicht auseinanderfällt
- Datum auf der Spule notieren: Spulen älter als 2 Jahre vor dem Druck trocknen
Woran erkenne ich feuchtes Filament?
- Zischgeräusche beim Extrudieren
- Blasen oder Krater auf der Oberfläche
- Filament reißt beim Biegen statt zu biegen (spröde PLA)
- Extrem viel Stringing, obwohl Einstellungen unverändert
- Die Düse "spuckt" beim Vorschub
Wenn du diese Symptome siehst, zuerst das Filament trocknen — oft löst das das Problem ohne jede Einstellungsänderung.
Weiterführende Guides
Nach dem Trocknen: PLA perfekt einstellen oder Stringing eliminieren.