Fusion 360 ist eine der mächtigsten und gleichzeitig einsteigerfreundlichsten CAD-Software für den 3D-Druck. Autodesk bietet Fusion 360 für private Nutzer, Studenten und kleine Unternehmen (unter 100.000 € Jahresumsatz) kostenlos an. In diesem Guide lernst du den kompletten Workflow vom ersten Sketchup bis zum fertigen STL.
Installation und erste Einrichtung
Lade Fusion 360 kostenlos von der Autodesk-Website herunter. Bei der Anmeldung wähle "Personal Use" für die kostenlose Lizenz. Nach der Installation empfehle ich folgende Einstellungen:
- Einheiten auf Millimeter setzen: Preferences → General → Default Units → mm
- Autosave aktivieren: Preferences → General → Autosave → Every 5 minutes
- Anzeigemodus: Für 3D-Druck reicht der Standard-Modus völlig aus
Die Fusion 360 Oberfläche verstehen
Fusion 360 hat eine andere Logik als einfache Modellierungstools wie TinkerCAD. Hier sind die wichtigsten Bereiche:
| Bereich | Funktion |
|---|---|
| Browser (links) | Zeigt alle Komponenten, Körper und Konstruktionselemente |
| Timeline (unten) | Parametrische Konstruktionshistorie — hier kannst du jeden Schritt nachbearbeiten |
| Toolbar (oben) | Wechsel zwischen Design, Mesh, Render etc. |
| Ansichtswürfel (rechts oben) | Schnelle Navigation zu Standard-Ansichten |
Schritt 1: Skizze erstellen
Alles beginnt mit einer 2D-Skizze. Der parametrische Ansatz von Fusion 360 unterscheidet sich grundlegend von direktem Modellieren:
- Sketch → New Sketch klicken, dann eine Ebene auswählen (z.B. die XY-Ebene)
- Mit dem Rectangle-Tool (R) ein Rechteck zeichnen
- Mit Sketch → Sketch Dimension (D) genaue Maße eingeben — zum Beispiel 50mm × 30mm
- Blaue Linien = nicht vollständig definiert; schwarze Linien = vollständig bemaßt. Ziel: alle Linien schwarz
- Finish Sketch klicken
Schritt 2: 3D-Körper erstellen (Extrusion)
Aus der 2D-Skizze wird ein 3D-Objekt durch Extrusion:
- Solid → Extrude (E) klicken
- Die Skizzenfläche auswählen
- Höhe eingeben, zum Beispiel 20mm
- OK bestätigen
In der Timeline unten siehst du nun zwei Einträge: die Skizze und die Extrusion. Doppelklick auf die Extrusion ermöglicht nachträgliches Bearbeiten — das ist der große Vorteil des parametrischen Ansatzes.
Wichtige Werkzeuge für 3D-Druck-Modelle
Fase und Verrundung (Chamfer / Fillet)
Scharfe Kanten lassen sich für bessere Druckergebnisse abrunden:
- Fillet (F): Rundet Kanten ab — gut für organische Formen und bessere Schichthaftung
- Chamfer: Erstellt 45°-Fasen — ideal für Einführhilfen und technische Teile
Bohrungen und Löcher
- Hole-Werkzeug: Erstellt normgerechte Bohrungen mit Toleranz. Für M3-Schrauben: 2,7mm Vorbohrung, für Gewindeschneiden; oder 3,2mm für Durchgangsbohrung
- Wichtig für 3D-Druck: Immer 0,1–0,2mm Übermaß einplanen, da FDM-Drucker leicht unter dem Nennmaß drucken
Mirror und Pattern
- Mirror: Spiegelt Geometrie an einer Achse — ideal für symmetrische Teile
- Rectangular Pattern: Erstellt ein Raster von Elementen (z.B. 4×4 Bohrungsraster)
- Circular Pattern: Verteilt Elemente radial (z.B. Bohrungen gleichmäßig auf einem Kreis)
Schritt 3: Druckoptimierte Wandstärken
Beim Design für 3D-Druck gibt es wichtige Faustregeln für die Wandstärken:
| Wandtyp | Empfohlene Stärke | Begründung |
|---|---|---|
| Minimale Wand | 0,8mm | 2× Düsendurchmesser (0,4mm Nozzle) |
| Solide Wand | 1,2–1,6mm | 3–4 Perimeter, gut für Griffe |
| Tragende Wand | 2,4mm+ | Für mechanisch belastete Teile |
| Deckel / Boden | 0,8mm min. | Mind. 2 Layer bei 0,2mm Schichthöhe |
Schritt 4: STL-Export für den 3D-Druck
Das fertige Modell wird als STL-Datei exportiert und dann im Slicer geöffnet:
- Rechtsklick auf den Körper im Browser
- Save As Mesh wählen
- Format: STL (Binary) — deutlich kleinere Datei als ASCII-STL
- Refinement: High für feine Kurven; Normal reicht für einfache Teile
- Speichern und im Slicer öffnen (OrcaSlicer, PrusaSlicer, Bambu Studio)
Typische Anfänger-Fehler und wie man sie vermeidet
- Nicht-manifold Geometrie: Wenn Flächen sich überschneiden oder Lücken entstehen, kann der Slicer das Modell nicht verarbeiten. Lösung: Solid → Repair Body oder in Netfabb / Meshmixer reparieren
- Zu dünne Wände: Wände unter 0,8mm werden vom Slicer ignoriert. Immer mit Maßstab im Browser prüfen
- Falsche Einheiten: Modell in Inch erstellt, im Slicer zu klein? Importformat im Slicer auf "mm" prüfen
- Keine Toleranzen: Passteile brauchen 0,1–0,3mm Spiel. Einpresspassungen: 0,0–0,1mm Spiel
Nützliche Fusion 360 Shortcuts
| Shortcut | Funktion |
|---|---|
| S | Suche nach Werkzeug (Suchbefehl) |
| E | Extrude |
| D | Dimension (Bemaßung in Skizze) |
| F | Fillet (Verrundung) |
| R | Rectangle (Rechteck in Skizze) |
| L | Line (Linie in Skizze) |
| Mittelmaus gedrückt | Ansicht drehen |
| Shift + Mittelmaus | Ansicht verschieben |
| Ctrl+Z | Rückgängig |
Weiterführende Schritte
Nach den Grundlagen gibt es noch viel zu entdecken:
- Assemblies: Mehrere Körper zusammenbauen und auf Kollisionen prüfen
- Simulation: Belastungsanalyse für tragende Teile
- Generatives Design: KI optimiert automatisch die Form für minimalem Material bei maximaler Festigkeit
Für parametrisches Design ohne visuelle Oberfläche schau dir auch OpenSCAD für parametrisches Design an. Wenn du dein Modell reparieren musst: STL-Dateien reparieren.