Der schnelle Überblick
| Eigenschaft | PLA | PETG |
|---|---|---|
| Drucktemperatur | 190–220 °C | 230–250 °C |
| Betttemperatur | 50–65 °C (oft kein Bett nötig) | 70–85 °C |
| Wärmeformbeständigkeit (HDT) | ~50–60 °C | ~75–85 °C |
| Schlagzähigkeit | Spröde — bricht statt zu biegen | Zäh — federt Stöße ab |
| UV-Beständigkeit | Schlecht — vergilbt und versprödet | Mittel — für kürzere Außeneinsätze ok |
| Feuchtigkeitsresistenz | Niedrig | Gut |
| Stringing | Gering | Hoch — erfordert gute Einstellungen |
| Bett-Haftung | Sehr einfach | Haftet stark — manchmal zu stark |
| Geruch beim Drucken | Leicht süßlich, kaum problematisch | Minimal, kein unangenehmer Geruch |
| Biobasiert / abbaubar | Ja (aus Stärke/PLA) | Nein (Erdölbasiert) |
| Preis (ca.) | 15–25 €/kg | 18–28 €/kg |
| Druckbarkeit | ⭐⭐⭐⭐⭐ — ideal für Einsteiger | ⭐⭐⭐⭐ — leicht anspruchsvoller |
PLA: Der Einsteiger-Standard
PLA (Polylactide) ist das meistgenutzte FDM-Filament weltweit — und das aus gutem Grund. Es klebt gut auf fast jedem Bett, erfordert keine Einhausung, lässt sich bei niedrigen Temperaturen drucken und neigt kaum zu Warping. Für Dekoartikel, Prototypen, Spielzeug und Indoor-Objekte ohne mechanische Belastung ist PLA die erste Wahl.
Wofür PLA ideal ist:
- Dekoartikel, Figuren, Vasen
- Prototypen und Anschauungsmodelle
- Organizer und Alltagsgegenstände (ohne Hitze oder Nässe)
- Schulprojekte, Basteln, erste Drucke
- Miniaturenfiguren und Cosplay-Requisiten (nicht tragend)
Wo PLA scheitert:
- Im Auto (Handschuhfach, Lüftungshalter) — erweicht bei 55–60 °C
- Im Freien — UV-Strahlung lässt es vergilben und verspröden
- Bei mechanischer Belastung, die Biegung statt Bruch erfordert
- In der Nähe von Wasser oder Feuchtigkeit über längere Zeit
PETG: Der Allrounder für Funktionsteile
PETG (Polyethylenterephthalat Glykol) ist PLA's großer Bruder für funktionale Anwendungen. Es ist zäher, hitzebeständiger und wasserabweisender. Klingt nach dem perfekten Filament? Fast — PETG neigt stärker zu Stringing (Fädenziehen) und haftet manchmal so fest am Bett, dass man die Druckplatte beschädigt, wenn man zu ungeduldig ablöst.
Wofür PETG ideal ist:
- Funktionsteile: Halterungen, Clips, Gehäuse
- Kfz-Innenraum (bis ca. 75 °C im Schatten)
- Wasserdichte Behälter und Schalen
- Elektronikgehäuse (keine Hitze-Emission)
- Kurzfristige Außenanwendungen (nicht dauerhaft UV-exponiert)
- Lebensmittelkontakt möglich — aber nur mit zertifiziertem Filament und Stahl-Nozzle
Wo PETG Schwächen zeigt:
- Stringing — ohne kalibrierte Retraction sehen Drucke aus wie Spinnenweben
- Oberfläche wirkt etwas glänzender und "plastischer" als PLA
- Nicht UV-stabil genug für Dauerexposition im Freien — dafür besser ASA verwenden
- Bett-Haftung kann zu stark sein — nie von heißer Platte reißen
Druckeinstellungen im Vergleich
PLA-Einstellungen (Richtwerte)
- Düse: 190–220 °C (Start: 205 °C)
- Bett: 50–65 °C (oder kalt mit Haftlack)
- Lüfter: 100 % — wichtig für Überhänge und Brücken
- Geschwindigkeit: 50–120 mm/s
- Retraction (Bowden): 4–7 mm @ 45 mm/s
- Retraction (Direct Drive): 0,5–2 mm @ 35 mm/s
PETG-Einstellungen (Richtwerte)
- Düse: 230–250 °C (Start: 240 °C)
- Bett: 70–85 °C
- Lüfter: 30–50 % — zu viel Kühlung verschlechtert Layer-Adhäsion
- Geschwindigkeit: 40–80 mm/s (langsamer als PLA)
- Retraction (Bowden): 3–6 mm @ 40 mm/s
- Retraction (Direct Drive): 0,5–1,5 mm @ 35 mm/s
- Erste Schicht Z-Offset: etwas höher als PLA — Nozzle nicht zu nah ans Bett
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
PLA
- Zu heiß drucken: Blob-Bildung, schlechte Überhänge → Temperatur senken
- Warping bei großen Bauteilen: Brim aktivieren, Zuluft vermeiden
- Filament spröde aus der Spule: PLA ist hygroskopisch — trocknen bei 45–50 °C für 4–6h
PETG
- Starkes Stringing: Temperatur senken (−5 °C), Travel-Speed erhöhen (180+ mm/s), "Avoid Crossing Perimeters" aktivieren
- Druck klebt fest ans Bett: Erst vollständig abkühlen (<30 °C), dann Platte biegen — nie mit Gewalt
- Nozzle frißt Bett-Beschichtung: Z-Offset etwas erhöhen, erste Schicht langsamer
- Schlechte Layer-Haftung: Lüfter reduzieren, Druckgeschwindigkeit senken
Wann welches Material — Die Entscheidungshilfe
✓ Nimm PLA wenn…
- du gerade mit 3D-Druck anfängst
- du Dekoartikel, Figuren oder Prototypen druckst
- das Teil indoor bleibt und keine starke Belastung bekommt
- du schnell und unkompliziert drucken willst
- du Feindetails brauchst (PLA lässt sich feiner kalibrieren)
✓ Nimm PETG wenn…
- das Teil mechanisch belastet wird (Clips, Halterungen, Hebel)
- das Teil mit Feuchtigkeit oder Wasser in Kontakt kommt
- das Teil im Auto oder in wärmeren Umgebungen (bis ~75 °C) landen soll
- du Transparenz willst — klares PETG ist wirklich klar
- du gute Schlagzähigkeit brauchst
Was ist mit ASA, ABS oder TPU?
PLA und PETG decken etwa 80 % aller Einsatzfälle ab. Für Dauereinsatz im Freien (UV-stabil) ist ASA die bessere Wahl. Für flexible Teile (Uhrenarmbänder, Schutzecken, Dämpfer) greifst du zu TPU. Hochtemperaturanwendungen über 100 °C erfordern ABS, PC oder PA — aber das ist für Einsteiger erstmal nicht relevant.
Lagerung beider Materialien
Beide Filamente sind hygroskopisch — sie ziehen Feuchtigkeit aus der Luft. Feuchtes Filament knistert beim Drucken, bildet Blasen und schwächt die Druckqualität erheblich.
- PLA: Trocken bei <30 % Luftfeuchtigkeit lagern, regenerieren bei 45 °C für 4–6h
- PETG: Trocken lagern, regenerieren bei 55–65 °C für 4–6h
- Vakuum-Bags oder hermetische Dosen mit Silica-Gel sind ideal für Langzeitlagerung
Fazit
PLA und PETG schließen sich nicht aus — im Gegenteil: Die meisten Maker haben beide in der Schublade. PLA für alles, was hübsch aussehen soll oder kein Stress abbekommt. PETG für alles, was halten muss. Wenn du dir unsicher bist: Drucke das gleiche Teil in beiden Materialien und teste selbst. Nach zehn Drucken wirst du instinktiv wissen, wann welches besser passt.